Gerichtshammer

Forderungen der pride ouest 2017

THE POWER OF DIVERSITY

LA FORCE DE LA DIVERSITÉ

VIELFALT IST REICHTUM

Wir von pride ouest 2017 fordern die rechtliche Gleichstellung für LGBTI*-Menschen in der Schweiz und rufen hiermit die Grundsätze in Erinnerung, die wir als unantastbar und universell betrachten:

Wir von pride ouest 2017 setzen uns für die weltweite Einhaltung der Menschenrechte, insbesondere für homosexuelle Frauen und Männer, trans*, bi- und intersexuelle Menschen ein.

Wir von pride ouest 2017 sind gegen die Kündigung der Europäischen Menschenrechtskonvention und stehen ein für eine vielfältige Gesellschaft, da wir Vielfalt als bereichernd erachten.

Wir von pride ouest 2017 fordern, dass im Schweizer Recht Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität explizit unter Strafe gestellt werden und dass homo- und trans*phobe Delikte durch kantonale Polizeistellen gezielt erfasst werden.

Wir von pride ouest 2017 erwarten, dass die Fachstellen für die Gleichstellung von Mann und Frau auch den Auftrag haben, sich mit Fragen der Gleichstellung von LGBTI*-Menschen zu befassen.

Wir von pride ouest 2017 fordern die Ehe – die Zivilehe – für alle sowie gleiche Rechte für bei der Adoption von Kindern durch LGBTI*-Paare.

Wir von pride ouest 2017 verlangen die Beseitigung der Diskriminierung für erleichterte Einbürgerungen von Partnerinnen und Partner eingetragener Partnerschaften.

Wir von pride ouest 2017 verlangen, dass Diskriminierungen von Trans*-Menschen und intersexuellen Menschen geahndet werden.

Wir von pride ouest 2017 unterstützen eine aktive Aufklärungs- und Bildungspolitik sowie die ausnahmslose Verankerung der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt als Bestandteil der kantonalen Lehr- bzw. Bildungspläne.

Wir von pride ouest 2017 fordern, dass eidgenössische und kantonale Mittel für Beratung und Jugendarbeit für LGBTI*-Menschen eingesetzt und sachkundige Organisationen damit beauftragt werden.

Wir von pride ouest 2017 verlangen eine aktive Förderung der Geschichtsforschung zum Leben von LGBTI*-Menschen in der Schweiz, deren Ächtung und Kämpfe, deren Erfolge in der schweizerischen Gesellschaft.

Wir von pride ouest 2017 fordern die sofortige Aufhebung des Blut- und Organspendeverbotes für homosexuelle Männer.

 

Weiterführende Erklärungen und Erläuterungen zu unseren Forderungen:

The Power of Diversity – das Motto von pride ouest 2017

Die Vielfalt ist ein Gewinn für die Gesellschaft. Insbesondere  auch jene, die sich aus unterschiedlichen Lebensform gemäss der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität entwickeln. Wir unterstützen diese Vielfalt als Grundwert einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Sie ist zu respektieren, und zwar sowohl in der Politik, der Community, als auch in den Medien.

Internationale Grundsätze, auch für LGBTI-Flüchtende

Die Völkergemeinschaft muss internationalen Druck ausüben, um homo- und trans*phobe Gesetze zu ändern oder zu stoppen. Im Umgang mit Ländern, in denen Homosexualität unter Strafe – manchmal sogar unter Todesstrafe – steht, muss die Schweiz eine klare Position beziehen! Menschenrechte sind unteilbar!

Der Grundwert der menschlichen Vielfalt als gilt auch für Ausländer*innen und insbesondere die Migrant*innen. Wir fordern gemäss dem Motto der Zürich-Pride eine menschenwürdige Behandlung von LGBTI*-Flüchtenden.

Ehe für alle, Adoption für alle Paare

Nach geltendem Recht dürfen nur Ehepaare und in seltenen Fällen Einzelpersonen Kinder adoptieren; gleichgeschlechtlichen Paaren ist die Stiefkindadoption erlaubt. Nicht aber die generelle Adoption von Kindern. Das muss geändert werden, denn Lesben und Schwule sind ebenso gute Eltern wie Heterosexuelle.

Als erstes EU-Land hat ausgerechnet das erzkatholisch geprägte Irland 2015 in einer Volksabstimmung für die völlige Gleichstellung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare gestimmt. Nach diesem Ja zur Homoehe strebt nun auch die LGBTI*-Gemeinschaft in der Schweiz einen weiteren Schritt hin zur Institution Ehe für alle an – also die lesbischen, schwulen, bisexuellen und transgender Menschen. Ginge es nach Ihnen, sollte dies in der Schweiz längst für alle möglich sein.
Wir müssen in der Schweiz gemeinsam weiter in Richtung einer Gesellschaft gehen,  in der gilt, was in der Verfassung steht: Gleiche Rechte für alle. Mit der Parlamentarischen Initiative von Kathrin Bertschy liegt dem Parlament bereits ein Vorstoss zur Einführung der Ehe für Alle vor. Es ist höchste Zeit für eine Ehe für Alle – mit allen dazugehörenden Rechten und Pflichten.

Keine Diskriminierung von Trans*- und Intersexuellen Menschen

Trans*-Menschen dürfen nicht länger durch medizinische Klassifizierungen als psychisch krank eingestuft werden! Das maltesische „Gesetz über Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechtsmerkmale“ gilt als das Fortschrittlichste der Welt. Auch in der Schweiz muss sich die Gesetzgebung an ihm, sowie an der Europarats-Resolution 2048 zum Schutz der Rechte von Trans*-Personen, orientieren. Jedwede stigmatisierende Sondergesetzgebung für Trans*-Menschen ist ersatzlos abzuschaffen bzw. alle trans*-relevanten Menschenrechte in bestehende Gesetze zu integrieren.

Die Änderung der Geschlechtsangabe und des Namens in offiziellen Dokumenten soll allein auf der selbstbestimmten Entscheidung der jeweiligen Person beruhen. Ohne Zwang zu vorherigen, psychologischen Begutachtungen, medizinischen Behandlungen oder Operationen. Hierbei soll auch die Möglichkeit zur Eintragung eines dritten/anderen Geschlechtseintrags möglich sein. Die Kosten für medizinische Interventionen zur Geschlechtsangleichung müssen durch die Krankenversicherung übernommen werden. Alle Möglichkeiten zur medizinischen Versorgung sind zu gewährleisten.

Neben dem ausdrücklichen Verbot von Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität im Schweizer Recht soll sich die Schweiz auch auf internationaler Ebene für die Einführung von Menschenrechtsstandards einsetzen, die explizit die Rechte von Trans*-Menschen beinhalten. Trans*phobe Handlungen sind als Hassverbrechen einzustufen und nach Gesetz zu bestrafen. Trans*-Menschen und ihre Organisationen sind in die Erarbeitung von Rechtsvorschriften, die sie betreffen, einzubeziehen.

Intersexuelle Neugeborene, Kinder und Jugendliche sind vor medizinischer Zwangsgeschlechtsanpassung nach den Auffassungen von Ärzten und den Wünschen der Eltern zu schützen Wir fordern das Recht, dass sich junge intersexuelle Menschen zu dem von ihnen bestimmten Zeitpunkt für eine Identität entscheiden können.

Moderne Sexualpädagogik und Aufklärungsarbeit

Sexualpädagogik soll zu einem selbstbestimmten, verantwortlichen und gewaltfreien Umgang mit Sexualität befähigen. Sie soll Kindern und Jugendlichen ermöglichen, altersangemessen, zielgruppenorientiert und wertschätzend mit sich selbst und dem, was in ihrer Lebenswelt präsent ist, umzugehen. Wir fordern, dass das Themenfeld Akzeptanz verschiedener Partnerschaftsformen sowie die Geschlechtsidentität, wie im Lehrplan 21 vorgesehen, als Unterrichtsstoff im schulischen Alltag konsequent umgesetzt wird.

Insbesondere junge homosexuelle Frauen und Männer brauchen während der, nach wie vor schwierigen, Phase des inneren und äusseren Coming Outs Unterstützung durch öffentliche oder von LGBT-Vereinen professionell erbrachten Angeboten. Beratung zum familiären, schulischen und beruflichen Coming-out, aber auch nicht-pathologisierende medizinische Beratung sind für Trans*-Menschen essentiell. Präventions- und Aufklärungsarbeit ist wichtiger denn je – auch um die Selbstmordrate unter LGBTI*-Jugendlichen zu verringern! Aus diesem Grund fordern wir die Bundes- und kantonalen Behörden auf, solide finanzielle Grundlage zu gewähren, um diese wichtigen Aufgaben weiterhin erfüllen zu können.